Kapitalistischer Städtebau (1970)

Projekt: 
Urban Drift: From Formalism To Flux. Transformational urbanism and new urban strategies
9. - 13. Oktober 2002
Click the images below for bigger versions:
Kurzbeschreibung: 

Die Veranstaltung "Kapitalistischer Städtebau (1970)" befasst sich mit einem historischen Moment der politischen Stadttheorie. Anhand eines zum Erscheinungszeitpunkt weit verbreiteten Aufsatzbandes werden die Geschichte der Urbanismuskritik, ihre theoretischen Bezugspunkte und historischen Annahmen diskutiert und in Beziehung zu gegenwärtigen Theorien des Städtischen gesetzt.

Um das Jahr 1970 lässt sich ein Einschnitt in der Geschichte der politischen Stadtwissenschaft festmachen. Zu diesem Zeitpunkt etabliert sich ein Blickwinkel auf die Stadt als sozialen Zusammenhang. Wurden städtische Gefüge bislang eher wie technisch-organisatorische Lösungen für ein gesteuertes Zusammenleben verhandelt, verstand man nun verstärkt die Stadt selbst als privilegiertes Projekt gesellschaftlicher Prozesse. Die Stadt der Gegenwart oder, nach Henri Lefèbvre, die "verstädterte Gesellschaft" wurde prinzipiell zum Gegenstand des kritischen Diskurses. Sie wurde als gesellschaftliches Produkt und so als Ausdruck der kapitalistischen Verhältnisse erkannt, innerhalb derer sich soziale Wirklichkeiten etablieren.

Die Popularität dieser Diskurse lässt sich anhand von Veröffentlichungen wie "Kapitalistischer Städtebau" erahnen. Das Buch versammelt historische Untersuchungen über Siedlungsbau, Wohnungspolitik, Grundeigentum, Analysen zu Demokratie, Planungsprozessen und Kulturkritik sowie allgemeiner Überlegungen zur Rolle von Städtebau und Architektur im Kapitalismus.

Für die Konferenz "Urban Drift" arbeiten wir an einer kritischen Rekonstruktion dieser historischen Situation, in der eine Begriffsfindung kapitalistischen Städtebaus möglich und erklärbar schien. Was war das Selbstverständnis der beteiligten Personen und auf welchen Stadtbegriff zielte ihre theoretische Arbeit? Wie hat sich diese radikale Kritik in die Biographien eingeschrieben? Und hat sich der Blick auf die empirischen Gegenstände der damaligen Kritik verändert? Mit einigen der am Buch "Kapitalistischer Städtebau" beteiligten Autoren sollen diese Fragen in Vorträgen und Diskussionen erörtert und durch ergänzende Statements vertieft werden. Dazu wird begleitendes Material zur Arbeit der Autoren, der Geschichte des Buches, des Entstehungskontextes und der theoretischen Grundlagen aufgearbeitet und in einem Einführungsvortrag verfügbar gemacht.

Mit den Herausgebern des Buches und Gästen: Hans G Helms, Jörn Janssen, Peter Neitzke u.a.