Partizipation / Participation

Projekt: 
Ars Viva 01/02: Kunst und Design
2001
Click the images below for bigger versions:
Kurzbeschreibung: 

Im Katalog- und Ausstellungsbeitrag geht es Pro qm um eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Partizipationsmodellen in Architektur, Stadtplanung, Theater und Ausstellungswesen. Untersucht wird, wie sich unterschiedliche Beteiligungsstrategien in der Entwicklung von "Displays" manifestieren und im Design abbilden. In Hinblick auf Weimar als zweiter Ausstellungsstation und als Gründundungsort des Bauhauses ist es interessant, dass in einem begleitenden Interview mit der amerikanischen Architekturtheoretikerin Joan Ockman verschiedene Ansätze zu einer aktiveren Besucherteilnahme sowohl von Seiten eines Museumsmannes wie Alexander Dorner, der El Lissitzkys berühmtes Abstraktes Kabinett in Hannover realisierte, als auch der Bauhauskünstler László Moholy-Nagy und Herbert Bayer diskutiert werden. Dass die Kehrseite der Partizipation zugleich Manipulation bedeuten kann, wird als Dilemma der Avantgarde insbesondere am Beispiel Herbert Bayers angedeutet, der anfänglich durchaus bereit war, seine fortschrittlichen Design-Konzepte selbst in den Dienst einer Diktatur wie der des Dritten Reichs zu stellen.

Im Mittelpunkt des Katalogbeitrages von Pro qm stehen architektonische Konzepte der frühen 7Oer Jahre. Parallel zur politischen Entwicklung in der Bundesrepublik tauchten erstmalig demokratische Mit- und Selbstbestimmungsformen auch im sozialen Wohnungsbau auf. Anhand dreier Bauwettbewerbe, in denen es als Alternative zum stereotypen Eigenheim im Grünen um flexible Wohngrundrisse im urbanen Raum ging, setzt sich Pro qm mit den begleitenden öffentlichen Darstellungen und Debatten in der Illustrierten Stern und verschiedenen Fachzeitschriften auseinander und zeigt, dass es auch hier trotz "Einbeziehung" und "Aktivierung" der Wohnungsbenutzer letztlich unvermeidbar schien, Wohnbedürfnisse zu kategorisieren. In ergänzenden Interviews mit dem Architekten Eilfried Huth und dem Sozialwissenschaftler Thomas Lemke werden zudem die Grenzen dieser Mitbestimmungsmodelle deutlich, deren eigentlich emanzipatorischer Gehalt in aktuellen neoliberalen Zeiten umgedeutet wird, um sie für ökonomische Profitstrategien und gesellschaftspolitische Ziele einzusetzen. Die von der Avantgarde ursprünglich angestrebte Einbindung des Einzelnen in Entscheidungsprozesse und Handlungsoptionen führt heute im Zeichen der veränderten Subjektivierungsformen des Personals lediglich zur Steigerung der Produktivität.