Mobile Architektur. Geschichte und Entwicklung transportabler und modularer Bauten

Autor/Herausgeber: 
Matthias Ludwig

Mobile Architektur. Geschichte und Entwicklung transportabler und modularer Bauten

Kurzbeschreibung: 

Seit Beginn der Industrialisierung stand auch Architektur unter dem Einfluss einer Ablösung handwerklicher Bau- und Fertigungsmethoden durch industrialisierte Prozesse. Resultat dieser Entwicklung sind Ansätze der Vorfertigung und das mobile Montagehaus. Ludwigs historischer Abriss zeigt die Wechselwirkungen, die gesellschaftliche Anforderung auf der einen und technologische Innovation auf der anderen Seite erzeugt haben. Durch den schnellen Auf- und Abbau konnten Gebäude flexibel eingesetzt werden, was zunächst im militärischen Bereich von Bedeutung war. Ludwig nennt als erstes tatsächlich vorgefertigtes Gebäude die Gloucester-Baracke, eine einfache Rahmenfachwerkkonstruktion, die von der englischen Armee während des Krimkrieges 1853-56 für Lazarettbauten eingesetzt wurde, um auf transportable Krankenhäuser direkt bei den Schlachtfeldern zurückgreifen zu können. Als weiteren Anwendungsbereich nennt Ludwig die koloniale Expansion der industrialisierten Länder. So fanden die Siedler in Australien nicht die gewohnten Baumaterialien vor und waren klimatischen Bedingungen unterworfen, denen die bisherigen traditionellen Bauweisen nicht angemessen waren. Bis 1841 fand deshalb die "Manning Portable Colonial Cottage for Emigrants", für den Seetransport in kleine Bündel verpackt, großen Absatz unter Auswanderern.

In der modernen Architektur, am Bauhaus und in großmaßstäblichen Wohnbauprojekten, fanden Methoden der Vorfabrikation und Modularisierung Anwendung, um Baukosten zu senken und den dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Wiederum aus einer Krisensituation stammen die in zumindest kleinen Serien realisierten Entwürfe Jean Prouvés für Soldatenunterkünfte und Notunterkünfte. In Deutschland gründete Dornier 1945 eine Firma für Serienhäuser, die versprach: "Das Wohnzeug bedeutet die Erfüllung des menschlichen Grundbedürfnisses Wohnen, mit den Mitteln der Technik". Auf der Exportmesse in Hannover 1948 wurde ein M.A.N.-Stahlhaus angeboten, in den USA gingen Fertighäuser wie das Lustron Haus aus Columbus, Ohio erfolgreich in Serie. In Lüdenscheid fand 1971 eine Ausstellung zu Kunststoffhäusern statt, an deren Exponate heute noch mobile Toilettenanlagen erinnern. Ludwigs Geschichte führt über das Case Study Houses-Programm schließlich doch noch in jenen Bereich der berühmt gewordenen, vor allem für Ausstellungszwecke produzierten Experimentalbauten, den seine Geschichtsschreibung ansonsten zugunsten jenes Teils der Architekturgeschichte beiseite lässt, der sich mit alltäglichen oder in Krisen geborenen, weniger an der Form, sondern vor allem ihrem Nutzen arbeitenden Bauwerken auseinandersetzt.

Autor/Herausgeber: 
Matthias Ludwig

Mobile Architektur. Geschichte und Entwicklung transportabler und modularer Bauten

DVA, 1998, 3-421-03140-1