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Ästhetische Erfahrung der Natur als "Gegenerfahrung zur Sphäre des kulturellen Sinns"
Der Frageansatz Seels ist zunächst nicht der nach einem angemessenen Verhältnis zur Natur sondern der nach den grundsätzlichen Möglichkeiten eines solchen Verhältnisses. Seel unterscheidet 3 Möglichkeiten einer (nicht-instrumentellen) naturästhetischer Erfahrung. Die drei Kategorien verweisen jeweils auf den Umstand, dass Anerkennung der Natur nur im Zustand der menschlichen Trennung von der Natur möglich ist und eben dieser entspringt das ästhetische Erleben als "versuchte Nähe". Darüber hinaus gründet Seels ethischer Anspruch der "Anerkennung des Anderen" in eben diesem Getrenntsein von Natur.
Als Kontemplation wird diejenige Naturwahrnehmung bezeichnet, die ziel- u. interesselos versinkt in ein "ausdruckslose[s] Spiel der Erscheinungen". Ordnungszusammenhänge, Deutungsspielräume etc. spielen keine Rolle. Korrespondenz bezeichnet demgegenüber eine Erfahrung die die Anschauung bereits überschritten hat. Die ästhetische Erfahrung (z.B. einer Landschaft) steht nicht für sich sondern veranschaulicht ein anderes. Sie ist das "Anschaulichsein des existenziellen Gutseins der in dieser Natur möglichen Formen des Lebens." Seels Argumentation läuft darauf hinaus, dass die subjektiven Erfahrungen von ästhetischen Naturphänomenen durch ihre emotive Eindringlichkeit geeignet sind, moralische Einstellungen zu festigen. In der Imagination als ästhetischer Einstellung wird durch die Loslösung von der vorgegebenen Bedeutung die Autonomie des Objekts aufgezeigt. Natur kann unter einer Perspektive der kunstbezogenen Phantasie betrachtet werden, d.h. Natur kann auch als Kunst erscheinen.